Geschichte

Bulgarien: Geschichte

Die Geschichte Bulgariens beginnt in der fernen Vergangenheit. Geschichtswissenschaftler zufolge waren die Thraker die ersten ansässigen Einwohner der Region. Sie besiedelten die Balkanhalbinsel ca. 3500 v. Chr. Im 1. Jahrtausend v. Chr. entstanden die ersten thrakischen Staaten, die im 6. Jh. v. Chr. ihre Blütezeit erlebten. In der zweiten Hälfte des 4. Jh. v. Chr. unterwarf Alexander der Große ein bedeutenden Teil der Thrakischen Länder und verleibte sie seinem Imperium ein. Im 1. Jh. n. Chr. wurde ganz Thrakien dem aufstrebenden römischen Imperium angeschlossen.

Bulgarien: Geschichte

Nachdem im Jahre 395 das römische Reich in zwei geteilt wurde, blieben die heutigen bulgarischen Gebiete im Rahmen des östlichen Imperiums, bekannt im Mittelalter unter dem Namen Byzanz. Im 5. Jh. n. Chr. besiedelten slawische Stämme den Balkan dauerhaft und vermischten sich mit den Thrakern.

Die Protobulgaren, die ursprünglich aus Asien kamen, erschienen auf dem Balkan im späten 7. Jh. Angeführt von Asparuch, verbündeten sie sich mit den Slawen gegen den gemeinsamen Feind - Byzanz und gründeten im Jahre 681 das Erste Bulgarische Reich. In den nächsten Jahrhunderten behauptete sich Bulgarien gegen Byzanz und bekleidete eine dominierende Rolle auf der Balkanhalbinsel. Mit der Ausweitung seiner Territorien und politischen Macht wuchs Bulgarien zu einem der kulturellen Zentren Europas.

Unter Khan Krum erstreckte sich der Staat vom Reich Karls des Großen im Westen bis an die Mauern Konstantinopels im Osten. Khan Krum war der Grundleger der bulgarischen Gesetzgebung. Der Legende nach ließ er per Gesetz jede einzelne Weinrebe im Reich mit der Wurzel ausreißen, um Trunkenheit zu unterbinden. Auch Diebe wurden mit besonderer Härte bestraft.

Unter Boris I. wurde im 9. Jh. das Christentum zur offiziellen Religion erklärt. Dadurch verschwanden nach und nach die ethnischen Unterschiede zwischen Slawen und Protobulgaren.

In dieser Zeit schufen die Gebrüder Kyrill und Methodij und ihre Schüler das bulgarisch-slawische Alphabet, das sogenannte Kyrilliza, und übersetzten die Heilige Schrift aus dem Byzantinisch- Griechischen ins Altbulgarische. Von Bulgarien aus wurde die kyrillische Schrift in anderen Ländern verbreitet. Kyrillisch schreibt man heute in Bulgarien, Mazedonien, Russland, der Ukraine, Weißrussland. Serbien und Montenegro.

Nach dem Tod von Boris I. setzte sein Sohn Simeon I. die Reformanstrengungen seines Vaters fort. Er trug als erster den Titel Zar und ging in die Geschichte als Zar Simeon der Große ein. Unter seiner Herrschaft erreichte Bulgarien den Zenit seiner politischen, ökonomischen, territorialen und militärischen Macht. Diese Periode wird als das "goldene Jahrhundert" der bulgarischen, politischen und kulturellen Größe bezeichnet.

Anfang des 11. Jh. wurde Bulgarien, geschwächt von inneren Machtkämpfen und territorialer Zersplitterung, von Byzanz erobert und blieb für fast 200 Jahre ein Teil des Byzantinischen Reiches.

Im Jahre 1185 führten die Brüder Asen und Petar einen erfolgreichen Aufstand an und gründeten das Zweite Bulgarische Reich. Nach ihrer Ermordung, folgte ihnen der jüngste Bruder - Kalojan auf dem Thron. Ihm gelang es, fast alle bulgarischen Gebiete vom sich zurzeit in einer Krise befindenden Byzanz zurückzuerobern. Durch Verhandlungen und Allianz mit Rom erreichte er, dass Bulgarien als Königreich vom Papst anerkannt wurde.

Unter Ivan Asen II. wurde Bulgarien zur führenden Territorialmacht auf dem Balkan und erlebte einen kulturellen Aufschwung. Nach seiner Regentschaft begann ein langsamer Niedergang: Es brachen innere Unruhen aus, der Staat zerfiel in Teilreichen und wurde Ende des 14. Jh. von den eindringenden osmanischen Heeren erobert.

Die fast 500 Jahre andauernde osmanische Herrschaft ist das schwierigste und blutigste Kapitel in der Geschichte Bulgariens, das durch den Kampf des bulgarischen Volkes um Freiheit und um das Erhalten der nationalen Identität, der Traditionen, Kultur und Religion gekennzeichnet ist. Im 18. Jh. verschärfte sich der Kampf um unabhängige Kirche, Recht auf Herausgabe von Büchern und Periodika auf Bulgarisch, Gründung von bulgarischen weltlichen Schulen und die offizielle Anerkennung von Sprache und Kultur. Aus dieser Epoche, die als die bulgarische Nationale Widergeburt bezeichnet wird, stammen zahlreiche Architektur- und Kulturdenkmäler.

Bulgarien: Freiheitskämpfer

Die Namen von Generationen von Freiheitskämpfern gingen in die Geschichte ein, allen voran Vassil Levski, Hristo Botev, Georgi Benkovski, Zahari Stojanov u.a., die zu den Anführern des blutig niedergeschlagenen Aprilaufstandes von 1876 zählten. Der Aprilaufstand löste den Russisch-Türkischen Krieg, auch Befreiungskrieg genannt, aus, der mit dem Frieden von San Stefano und dem Berliner Kongress die türkische Herrschaft beendete. Nordbulgarien, mit Sofia als Hauptstadt, wurde ein tributpflichtiges Fürstentum, Südbulgarien blieb als Ostrumelien vorerst Teil des Osmanischen Reichs.

Doch bereits wenige Jahre später, im Jahr 1885, vereinigte sich das Fürstentum Bulgarien mit Ostrumelien und wurde 1908 ein unabhängiges Zarenreich.

Die beiden Balkankriege (1912/13) brachten territoriale Verluste, die Bulgarien zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg auf der Seite der Mittelmächte bewogen. In den Zweiten Weltkrieg trat Bulgarien an der Seite der Achsenmächte ein und besetzte Thrakien und Mazedonien. Die Wende kam mit der Kriegserklärung der Sowjetunion 1944, kurz danach folgte der Einmarsch sowjetischer Truppen. Am 9. September 1944 wurde in Bulgarien eine Regierung der Nationalen Front gebildet. Im darauffolgenden Jahr wurde Bulgarien zur Volksrepublik erklärt. An die Macht kam die Bulgarische Kommunistische Partei, angeführt von Georgi Dimitrov (1946-1949), Vasil Kolarov (1949-1950), Valko Tschervenkov (1950-1956), Anton Yugov (1956-1962) und Todor Zhivkov. Bis Ende der 80-er Jahre des 20. Jahrhunderts war Bulgarien ein Teil der politischen, militärischen und ökonomischen Strukturen des sogenannten Ostblocks.

Ende 1989 trat Todor Zhivkov von seinem Posten als Staatsoberhaupt zurück und wurde von Petar Mladenov ersetzt, der im Jahr darauf zum ersten bulgarischen Präsidenten erklärt wurde. 1990 trat er unter dem Druck der Opposition und der Unzufriedenheit der Bevölkerung zurück, als erster demokratisch gewählter Präsident wurde Zhelu Zhelev Staatsoberhaupt. 1991 wurde von der verfassunggebenden Großvolksversammlung die neue demokratische Konstitution der Republik Bulgarien beschlossen.

Heute ist Bulgarien ein moderner Staat. Es ist seit 2004 reguläres NATO-Mitglied der Europäischen Union.

Das reiche Kulturerbe, die strategische geografische Lage und das begünstigte Klima machen Bulgarien zu einer einzigartigen touristischen Destination.